Politische Polarisierung und gesellschaftliche Konflikte nehmen weltweit zu – soziale Medien gelten dabei häufig als ein zentraler Treiber dieser Entwicklung. In einem Online-Vortrag am 11. Februar 2026, 13.00 Uhr, widmet sich Dr. Emily Kubin von der University of Oxford der Frage, wie belastbar diese Annahme ist und welche Rolle soziale Medien tatsächlich bei der Entstehung, aber auch bei der Reduktion politischer Polarisierung spielen können. Das Webinar findet im Rahmen der Reihe „Digital Transformation and Socitey“ des ECT Lab+ der European University of Technology (EUT+) statt.
Ausgangspunkt ist eine systematische Analyse von 94 Forschungsarbeiten zu Mediennutzung und politischer Polarisierung. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl klassische Nachrichtenmedien als auch soziale Medien – insbesondere bei Konsum „gleichgesinnter“ Inhalte – ideologische und affektive Polarisierung verstärken können. Gleichzeitig macht Dr. Kubin deutlich, dass bislang nur vergleichsweise wenig Forschung untersucht hat, wie soziale Medien gezielt für interventionsbasierte Ansätze genutzt werden können, um gesellschaftliche Spaltung zu überwinden.
Aufbauend auf mehreren experimentellen Studien stellt Dr. Kubin innovative Ansätze vor, die das Potenzial sozialer Medien zur Überbrückung politischer Gräben aufzeigen. Dazu zählen unter anderem Untersuchungen zu sogenannten Victimhood-Narrativen, bei denen persönliche Erfahrungen von Betroffenheit über politische Lager hinweg geteilt werden. Diese Beiträge können politische Intoleranz, Dehumanisierung sowie die Bereitschaft zur Zensur gegnerischer Positionen signifikant reduzieren. Ergänzend präsentiert Dr. Kubin Forschung zu Warnhinweisen vor polarisierenden Inhalten, die Leserinnen und Leser für die spaltende Wirkung bestimmter Medienformate sensibilisieren und so affektive Polarisierung abschwächen können.
Dr. Emily Kubin ist Postdoktorandin an der University of Oxford und Research Affiliate am Center for Conflict and Cooperation der New York University. Als politische Psychologin forscht sie interdisziplinär an der Schnittstelle von Sozialpsychologie, Medienforschung und Künstlicher Intelligenz. In ihrer Forschung untersucht sie auch die Rolle von KI – sowohl als möglicher Verstärker politischer Polarisierung wie auch als Instrument zur Entwicklung wirksamer Interventionen.
Der Vortrag findet online am Mittwoch, 11. Februar 2026, um 13:00 Uhr statt.
Anmeldung: https://forms.office.com/e/nn1fvqxyB5